Produktion

Fit für neue Herausforderungen und Chancen

2019 stand für die Uelzena-Gruppe im Zeichen der nachhaltigen Stärkung ihrer Produktionsbasis: Technologien, Turmnutzungskonzepte und Qualitätsmaßnahmen wurden weiter optimiert, um die steigende Nachfrage insbesondere im hochqualitativen Lohntrocknungssektor zufriedenstellen zu können, ohne die zukunftsrelevanten Herausforderungen im Umweltbereich zu vernachlässigen.

.Neben der Inbetriebnahme des automatischen Hochregallagers wurden in Uelzen die aufwändigen Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen an den Sprühtrocknungstürmen 5 und 11 abgeschlossen. Turm 12 soll für die Uelzena dank modernster Sprühtrocknungstechnik zukünftig perfekte Rahmenbedingungen für die Herstellung von Produkten in Infant-Qualität wie Vitaminen und Mineralien bieten. Die Planung und erste Genehmigungen im Jahr 2019 haben die Voraussetzungen für den Baubeginn 2020 geschaffen. Die großangelegten Projekte sind zugleich umfangreiche Investitionen in die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Zukunftsweisende Milchpulverherstellung: Ausbau von Turm 5

Das Jahr 2019 endete mit dem Abschluss der Umbauarbeiten an Turm 5, der nun unter anderem über eine innovative neue Milcheindampfung und ein Hochhygienetanklager verfügt, für die –abgesehen von umfangreichen elektrotechnischen Arbeiten – kilometerlange Rohrleitungen und rund 5.000 Bauteile wie Pumpen, Ventile und Wärmetauscher montiert werden mussten. So kann der Standort Uelzen nun mit einer rundum modernisierten und erweiterten Trocknungsanlage aufwarten, die besonders energieeffizient ist und dank ihres Konzepts die Herstellung besonders hochwertiger Qualitäten, sprich keim- und sporenarmer Milchpulver ermöglicht, die auch in Infant-Produkten eingesetzt werden.

Eine besondere Herausforderung war es, die neuen Anlagen, Funktionen und Gebäudeteile bei laufendem Betrieb und hoher Auslastung in den Bestand zu integrieren und gleichzeitig anspruchsvolle energie- und umwelttechnische Standards zu erfüllen.

Um die gesetzlichen Vorgaben zur Feinstaubbelastung einzuhalten, wurde der Sprühtrocknungsturm 5 mit einem neuen Lüftungskonzept mit höchster Filtrierungsleistung ausgestattet. Dazu war es nötig, einen eigenen Gebäudeteil zu errichten. Ein besonderes Highlight ist auch die neue automatisierte Absackanlage, die selbstständig 5 Tonnen Milchpulver in der Stunde absacken und auf direktem Wege zur ebenfalls vollautomatisierten Palettiermaschine weiterleiten kann. Der Absackbereich ist mit einem hochglänzenden Bodenbelag beschichtet, der Staub, Schmutz und weiße Partikel sofort sichtbar macht und damit optimale hygienische Bedingungen für den Abfüllungsprozess schafft. Bemerkenswert ist auch die Umweltbilanz der Anlage: Staubbelastung und Geräuschemission sind deutlich gesunken, die Energieeffizienz gestiegen.

.Hochwertige Komponenten für den Infant-Markt: Erneuerung von Turm 11

Neben Turm 5 wurde im Berichtszeitraum auch Turm 11 umgebaut, um den hohen Ansprüchen an moderne Infant-Qualitäten gerecht zu werden. Generell hat der Umbau der beiden Türme die Wettbewerbsfähigkeit der Uelzena-Gruppe als Lohntrocknungsanbieter für den Bereich der Infant-Produkte erheblich gestärkt. Zugleich zeugt er von einem Wandel, der die Prozesse im gesamten Unternehmen prägt, in der Produktion wie in der Produktentwicklung, im Qualitätsmanagement wie im Labor, im Vertrieb und im Lager. In all diesen Bereichen stellen wir uns den höheren Anforderungen, damit die strategischen Ziele des Unternehmens erfüllt werden können.

Herstellung von koscheren und als halal geltenden Produkten

Eine besondere Stärke der Uelzena-Gruppe ist die Herstellung von Produkten, die den strengen jüdischen und islamischen Ernährungsgeboten entsprechen. Koschere und als halal geltende Produkte werden schon seit über 20 Jahren von Uelzena angeboten – inzwischen kümmert sich ein eigener Koscher- und Halal-Beauftragter um die Organisation der dazugehörigen Produktionsabläufe. 2019 lag der Anteil dieser Produkte an der Uelzena-Gesamtproduktion bei 80 Prozent. Die Herstellung und Verarbeitung von koscheren Produkten basieren auf streng reglementierten und genau überwachten Prozessen. So müssen alle Anlagen spezielle Reinigungsvorgänge durchlaufen, auch feste Ruhezeiten sind Pflicht. Darüber hinaus unterliegen von der Warenannahme über die Produktion bis hin zu Lagerung und Verkauf sämtliche Unternehmensbereiche besonderen Vorschriften.

Weniger Ressourcen und geringere Umweltbelastung für mehr Produkt

Der Verbrauch von Energie und Wasser, die Entwicklung von Staub und Treibhausgasen sowie der Umgang mit Abfällen und Abwässern sind die zentralen Nachhaltigkeitsthemen in der Produktion. Sie werden von der Uelzena-Gruppe aktiv bearbeitet mit dem Ziel, die Emissionen und den Ressourcenverbrauch je produzierter Tonne kontinuierlich zu senken und zugleich die Produktivität zu steigern. Uelzena ist einem strategischen Wandel unterworfen, der es erfordert, die energetische und produktionstechnische Basis regelmäßig zu prüfen und neu zu definieren.

Ein Maßstab ist die „Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ („TA Luft“) der Bundesregierung, die unter anderem Grenzwerte für die Staubbelastung festlegt. Dass Uelzena mit seinen Umbaumaßnahmen auf einem guten Weg ist, zeigt zum Beispiel der Wert des Abluftfilters auf Turm 5, der mit 10 mg Staub/Nm3 Abluft deutlich unter der derzeit gültigen Höchstgrenze von 20 mg/Nm3 (1) liegt.

Bei dem geplanten Sprühtrocknungsturm 12 werden die eingesetzten Abluftfilter den höchsten Anforderungen der EU bezüglich der Staubemission entsprechen. Zudem wird die Schallemission so gering wie möglich gehalten.

Michael Esan, Projektleiter, Uelzena

Entwicklungen und Neuerungen an den Standorten

An allen Standorten hat die Uelzena-Gruppe wesentliche Produktionsverbesserungen in die Wege geleitet. Im Folgenden die wichtigsten Entwicklungen:

Am Hauptsitz in Uelzen wurden neben den genannten Großprojekten zum Ausbau der Milchpulver- und Babynahrungskomponenten-Herstellung bedeutende Schallschutzmaßnahmen umgesetzt. Eine Reihe lärmmindernder Maßnahmen hat zu einer Senkung der nächtlichen Lärmemission von 48–51 dB(A)(2) um 2–7 dB(A) geführt. Im Blockheizkraftwerk wurden zudem die Abluftwärmetauscher im Ablufterhitzer ausgetauscht, und das Kesselhaus, das die Molkerei mit Dampf zu Produktions- und Heizzwecken versorgt, erhielt neue Entgaser – jeweils mit positiven Auswirkungen auf die Energiebilanz. Darüber hinaus wurde das gesamte Werksgelände auf LED-Beleuchtung umgestellt. Trotz der genannten Verbesserungen in der Energienutzung und der Ressourcenschonung überwogen die Effekte aus den strategischen Veränderungen am Produktportfolio, zum Beispiel aus der erhöhten Verarbeitung von Rohmilch sowie der gesteigerten Produktion von Spezialprodukten in Verbindung mit den Eigenschaften halal und koscher. Besonders drastisch waren diese Einflüsse beim Wasserverbrauch, der um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert anstieg.

In Warmsen wurde die Produktion mit neuen Kesselbrennern ausgestattet und die Hofbeleuchtung auf LED umgerüstet. Das bestehende Energiemanagementsystem nach ISO 50001 schafft auch dort die notwendige Transparenz, um Verbesserungspotenziale zu verfolgen. Allerdings stieg auch in Warmsen der Energie- und Wasserverbrauch 2019 gegenüber dem Vorjahr an. Gründe hierfür sind die Produktionssteigerung sowie die Verschiebung des Produktionsschwerpunkts von Feinkost zu gezuckerter Kondensmilch, deren Herstellung mit einem energieintensiven Eindampfprozess verbunden ist.

In Ratzeburg wurden die Planungen für eine neue Agglomerationsanlage abgeschlossen. Der Bau und die Inbetriebnahme sind für 2020 geplant. Zukünftig stehen in Ratzeburg damit drei Agglomerationsanlagen zur Verfügung, die neben Kakaopulver auch Milchpulver agglomerieren können. Gleichzeitig stellt der Ausbau die Weichen für weitere Möglichkeiten im Rahmen der Instantgetränkeherstellung.

Das Programm „Produktion OK 2025“ zur Verbesserung der Organisation und Kommunikation („OK“) wurde neben Uelzen auch am Standort Bismark erfolgreich implementiert. Es ist auf mehrere Jahre angelegt und wird schrittweise in den einzelnen Abteilungen umgesetzt, um zentrale Arbeits- und Kommunikationsprozesse nachhaltig zu optimieren. Ein erstes Resümee zeigt positive Ergebnisse an beiden Standorten. Prozesse wurden teilweise standardisiert, Mitarbeiter konnten in Abläufe stärker eingebunden werden und der Informationsfluss hat sich spürbar verbessert. Qualität, nachhaltige Problemlösungen und die Optimierung des Ressourceneinsatzes standen im Fokus. Die Ausweitung des Programms auf den Standort Ratzeburg ist für 2020 geplant.

(1) Milligramm pro Normkubikmeter (2) bewerteter Schalldruckpegel

 
Ausblick 2020

Zentrales Thema im Jahr 2020 wird der rund 46 Millionen Euro teure Bau von Turm 12 am Standort Uelzen sein, mit dem planmäßig im zweiten Halbjahr 2020 begonnen wird und der 2022 fertiggestellt werden soll. Darüber hinaus stehen eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen an allen Standorten an, wie zum Beispiel der Bau der neuen Agglomerationsanalage in Ratzeburg. Ob eine Anpassung der Planungen erfolgen muss, kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Fakt ist, dass die COVID-19-Pandemie massive Einschränkungen in allen Bereichen mit sich bringt.

 

 
 Der Nachhaltigkeitskontext: Warum eine nachhaltige Produktionsstrategie notwendig ist

Die Uelzena-Gruppe ist ein mittelständisches Industrieunternehmen, dass vor allem Milchrohstoffe zu Lebensmitteln wie Butter, Milchpulver oder Käse weiterverarbeitet. 2019 wurden insgesamt 243.887 Tonnen Produkte hergestellt und abgesetzt – vorwiegend aus Milch. Diese Veredelung ist ein intensiver Prozess und erfordert einen hohen Einsatz an natürlichen Ressourcen wie Frischwasser und Erdgas als Energieträger. Zugleich emittieren unsere Werke Treibhausgase, Abwasser und Abfälle.

Beispiel Treibhausgase: Mit einem CO2-Ausstoß von knapp über 30.000 Tonnen im Jahr 2019 gehört die Uelzena-Gruppe bundesweit nicht zu den großen Emittenten. Seit 2012 konnten die CO2-Emissionen je produzierter Tonne um rund 50 Prozent reduziert werden. Trotzdem wird auch die Uelzena eG ihren Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten. Die Bundesregierung hat beschlossen, bis 2050 die deutschen Emissionen um 80 bis maximal 95 Prozent gegenüber 1990 zu senken, was eine Verringerung von heute rund 900 Millionen Tonnen Kohlendioxid auf 250 Millionen Tonnen beziehungsweise 62,5 Millionen Tonnen bedeuten würde. So soll Deutschland zur Mitte des 21. Jahrhunderts weitgehend treibhausgasneutral werden.

Die Uelzena eG hält die Produktion auf dem neuesten Stand der Technik, um negative Auswirkungen auf die Umwelt bestmöglich zu begrenzen. Jahr für Jahr investiert die Uelzena-Gruppe an ihren vier Werksstandorten in Maßnahmen, durch die diese noch effizienter, produktiver und sauberer werden. Der willkommene Effekt: Die Maßnahmen verbessern das Input-Output-Verhältnis, der Einsatz von Energie und Ressourcen pro Produkteinheit verringert sich, und die Uelzena-Gruppe verursacht weniger Emissionen.

 Unser Management-Ansatz: Produktion

Energie, Wasser, Treibhausgas-Emissionen, Abfälle und Abwässer sind die zentralen Nachhaltigkeitsthemen in der Produktion. Wie die Uelzena-Gruppe mit diesen Themen umgeht, interessiert auch die Stakeholder des Unternehmens. Das sind insbesondere Kunden aus der Lebensmittelindustrie, die Mitarbeiter, die Mitglieder als Anteilseigner der Uelzena eG, Staat & Institutionen sowie selbstverständlich auch die Anwohner in direkter Nachbarschaft der Werksstandorte.
Die Produktion bearbeitet die relevanten Nachhaltigkeitsthemen aktiv. Die Ziele sind: die Emissionen und den Ressourcenverbrauch je produzierte Tonne kontinuierlich zu senken und zugleich die Produktivität zu steigern. Um diese Ziele zu erreichen, werden verschiedene Maßnahmen entwickelt und umgesetzt.

 

Unsere nachhaltige Produktionsstrategie – Ziele und Maßnahmen im Überblick

Produktion und Umwelt

  • Die Uelzena-Gruppe will die Emissionen unerwünschter Stoffe in die Umwelt senken. Mit diesen Emissionen sind sowohl Treibhausgase als auch Abwässer und Abfälle gemeint.
  • Der Verbrauch an natürlichen Ressourcen wie Frischwasser oder Gas soll stetig verringert werden.
  • Die Wirtschaftlichkeit soll weiterhin verbessert werden.

Energie und Klima

  • Einige Beispiele für umgesetzte Maßnahmen, mit denen die Energieeffizienz gesteigert wird: neue Wärmerückgewinnungssysteme, Elektromotoren, LED-Beleuchtung.
  • Blockheizkraftwerke in Uelzen und Bismark, mit denen hocheffizient Wärme, Dampf und Strom für den Eigenverbrauch erzeugt wird. Der Wirkungsgrad liegt jeweils bei 84 Prozent, das sind 14 Prozent mehr als der Gesetzgeber für diese Kraftwerke vorgibt. Und es fallen sogar Stromüberschüsse an, die gegen Entgelt in das öffentliche Netz eingespeist werden.
  • Mit dem zertifizierten Energiemanagement nach ISO 50001 verbessert die Uelzena-Gruppe an allen Standorten laufend ihre Energieeffizienz.

Abwässer und Wasser

  • Die Produktion nutzt Wasser mehrfach, unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften. Selbst das Dampfkondensat wird zur erneuten Dampferzeugung eingesetzt.
  • Optimierung der Reinigungsprozesse im Eindampferbereich.
  • Am Standort in Warmsen reinigt eine eigene Vollkläranlage das Abwasser des Werks. Es erreicht Flusswasser-Qualität.
  • An den anderen Standorten werden die Abwässer an lokale kommunale Kläranlagen abgegeben. Sowohl die Abwassermenge als auch die Abwasserbelastung wird durch einen Management-Prozess mittels werksseitiger Maßnahmen stetig weiter optimiert.

Abfälle

  • Die Uelzena-Gruppe trennt Abfälle und recycelt wiederverwertbare Materialien wie Papier, Holz und Kunststoffe.
  • Zudem werden Abfälle so weit wie möglich im Vorfeld von Lieferungen vermieden, etwa durch Absprachen mit Lieferanten.

Produktivität

Einführung eines auf mehrere Jahre angelegten Verbesserungsprogramms in der Produktion. Dieses Programm heißt „Produktion OK 2025“ und ist auf Arbeits- und Kommunikationsprozesse sowie auf die Organisation der Zusammenarbeit fokussiert. Ziele: die Motivation und die Kompetenzen der Mitarbeiter zu steigern und kontinuierliche Verbesserungsprozesse anzuregen. In Uelzen fand die Einführung 2016 statt, Bismark folgte 2017, in Ratzeburg ist die Einführung für 2020 geplant.

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