Schwerpunktthema 2017

Neue Hof-Einblicke

Die praktische Erprobung des Nachhaltigkeitsmoduls Milch hat begonnen. Hinter dem Begriff „Modul“ steckt ein detaillierter Fragenkatalog, mit dem Nachhaltigkeitsdaten von landwirtschaftlichen Betrieben erhoben werden. Im Herbst 2017 erfolgte in einem bundesweiten Pilotprojekt die erste groß angelegte Onlinebefragung. Mitgemacht haben aktuell 34 Molkereien mit mehr als 3000 Landwirten. Auch die Uelzena-Gruppe hat sich beteiligt.

Wie werden Kühe auf den Höfen gehalten? Wie verbreitet ist der Weidegang? Wie hoch ist der Anteil von Dauergrünland in den Betrieben? Heutzutage interessieren sich zunehmend mehr Verbraucher dafür, wie Milch erzeugt wird, ob das Wohl der Tiere berücksichtigt wird, welche Rolle der Umweltschutz spielt und wie sozialverträglich die Produktion ist. Die Lebensmittelindustrie greift dieses Bedürfnis der Verbraucher auf und erfragt bei ihren Lieferanten von Milch- und Molkereiprodukten umfangreiche Informationen.

Um belastbare Antworten geben zu können, entwickelte die Milchbranche unter der Leitung des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft in Braunschweig bereits 2016 das Nachhaltigkeitsmodul Milch: ein auf wissenschaftlicher Grundlage ausgearbeiteter Fragenkatalog zur Datenerhebung. Es wird getragen vom Milchindustrieverband, dem Raiffeisenverband und dem Deutschen Bauernverband – gebündelt im Verein QM-Milch. Zur Vorgeschichte siehe: Milch-Perspektiven

„Alle Beteiligten hatten bei den Milcherzeugern viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Für zusätzliche Akzeptanz wird eine betriebsindividuelle Auswertung sorgen.“

Volker Suderburg, Leiter Milchmanagement, Uelzena

Start Onlinebefragung – hohe Uelzena-Beteiligung angestrebt

In dem auf drei Jahre angelegten Pilotprojekt wird das Modul nun auf Praktikabilität und Akzeptanz getestet, seine internationale Anschlussfähigkeit untersucht und ein zukunftsfähiges Konzept für den weiteren Einsatz erarbeitet. Die Erhebung startete im September 2017 mit einer ersten Datenerhebung, an der sich bundesweit insgesamt 34 Molkereien beteiligten. Bis Januar 2018 wurden von rund 3000 Landwirten die erforderlichen Informationen per Onlinebefragung eingeholt. Gefördert wird das Pilotprojekt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, wissenschaftlich betreut wird es durch das Thünen-Institut.

Bei der Uelzena eG flossen die erhobenen Daten von 330 von insgesamt 764 milcherzeugenden Betrieben in die Auswertung mit ein. Das ist eine Quote von rund 43 Prozent. Geplant war ein höherer Wert. Doch es verzögerte sich der Befragungsstart, weil die Online-Eingabemaske nicht rechtzeitig zur Verfügung stand. Die Uelzena eG hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Ende des Pilotprojekts möglichst die Daten aller ihrer milchliefernden Betriebe zu erfassen. Zudem sollte nach Vorstellungen der Uelzena eG möglichst innerhalb der Projektphase eine wiederkehrende Befragung erfolgen, damit sich die künftige Entwicklung besser abschätzen lässt. Hierüber hat das Projektteam des Nachhaltigkeitsmoduls jedoch noch keine endgültige Entscheidung mit den Projektpartnern getroffen.

„Mit den Ergebnissen aus den Befragungen wird die Basis für eine molkereiinterne Diskussion über gemeinsame Nachhaltigkeitsziele in der Milcherzeugung geschaffen.“

Dr. Hiltrud Nieberg, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft

Auswertung aller Ergebnisse bis Herbst 2018

Bei der Auswertung der Daten legt die Uelzena eG großen Wert darauf, dass auch die teilnehmenden Betriebe profitieren. Ein großer Nutzen für die Landwirte ist, dass sie mit den Daten im Vergleich zu den anderen Ergebnissen aus der Auswertung leichter Verbesserungspotenziale in ihrem Betrieb erkennen können. Von Vorteil sind die erhobenen Informationen zudem in der öffentlichen Diskussion, weil sich durch sie ein realistisches Bild der Produktionsbedingungen auf den Höfen offenbart. So ist zum Beispiel die Anbindehaltung bei den Milcherzeugern der Mitgliedsbetriebe der Uelzena eG nur eine Randerscheinung.

Eine erste Zwischenauswertung der allgemeinen Daten sämtlicher Erhebungen wird im Herbst 2018 allen Projektpartnern vorgestellt und veröffentlicht. Die eigenen Ergebnisse wird die Uelzena-Gruppe in allen Details zunächst innerhalb des Unternehmens und mit ihren Projektpartnern diskutieren. 2018 findet zu dem Thema ein Stakeholder-Dialog statt. Voraussichtliche Teilnehmer werden Mitgliedsunternehmen der Uelzena eG, Milcherzeuger und Kunden sein. Erst nach der internen Analyse und dem internen Dialog können auch Uelzena-Ergebnisse öffentlich zur Diskussion gestellt werden.

„Nachhaltige Landwirtschaft ist und muss selbstverständlich sein. Durch die Fragebogen-Aktion besteht die Möglichkeit, dieses nachhaltige Wirtschaften zu dokumentieren und somit für Dritte nachvollziehbar zu machen und auszuwerten.“

Bertram Scholz, Milchlieferant, Bad Bodenteich

Vorab: Drei Teilergebnisse aus der Befragung zum Nachhaltigkeitsmodul Milch

Laufställe und Weidegänge

Die oft kritisierte Anbindehaltung spielt bei den Milchzulieferern der Uelzena-Gruppe eine verschwindend geringe Rolle: Nur zwei Prozent der Kühe stehen in den Ställen in Anbindehaltung – und auch dann nicht ganzjährig, sondern mit Weidegang. Aktuell sind 92 Prozent der Tiere in Liegeboxen-Laufställen untergebracht. Die vorrangige Haltungskombination ist die Laufstallhaltung mit Weideangebot.

Fortführung einiger Höfe ungewiss

Ein mögliches Risiko für die Uelzena-Gruppe: 15 Prozent der befragten Betriebe haben in den letzten fünf Jahren nicht mehr investiert. Und 22 Prozent geben an, den Betrieb in den nächsten zehn Jahren eher wahrscheinlich oder sogar sicher nicht mehr fortführen zu wollen. Diese Aussichten könnten die Entwicklung der Uelzena-Gruppe beeinträchtigen. Eine Gefahr, die aber bei Betrachtung der vergangenen Jahrzehnte eher gering erscheint: Im langfristigen Trend ist die Milchmenge nämlich kontinuierlich gestiegen, obwohl jedes Jahr drei bis vier Prozent der Betriebe die Milcherzeugung einstellen. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich mit dem stetigen Herdenwachstum je Hof und der steigenden Milchleistung je Kuh.

Landwirte als Stromerzeuger

57 Prozent der Betriebe erzeugen erneuerbare Energie, die sie entweder selbst nutzen oder ins Netz einspeisen. Zudem investieren alle befragten Höfe, die die Uelzena-Gruppe beliefern, in eine energieeffiziente Milchproduktion. Die Erzeugung und Lagerung der Milch ist heutzutage ein durchaus energieintensiver Prozess.